Neuraltherapie ist eine auf den herkömmlichen medizinischen Erkenntnissen basierende, ganzheitlich orientierte Form von Regulationstherapie. Sie ist allein oder in Kombination mit allen anderen Therapieformen anwendbar.


Ganzheitsmedizin und Regulationsmedizin

Der Begriff Ganzheitsmedizin ergibt sich aus der speziellen Sicht- und Denkweise, mit der an die Problemerfassung herangegangen wird. In konventioneller Weise wird einer Erkrankung eine zeitlich begrenzte lineare Entstehungsgeschichte und eine oder eine geringe Zahl verursachender Noxen zugewiesen.


Die ganzheitliche Sichtweise geht von der Entstehung einer individuellen Erkrankungssituation aus. Diese stellt ein multifaktorielles Geschehen dar, und berücksichtigt auch lange zurückliegende oder sich über einen langen Zeitraum erstreckende Ereignisse. Der Therapeut achtet auf:

  • Konstitutionelle Faktoren (erbliche Belastung, Organschwäche, unterschiedliche konstitutionelle Reaktionsmuster)
  • Exposition: psychosoziale Faktoren (Arbeits-, Wohn- familiäre Situation, Umweltbelastung)
  • Individuelle Fähigkeit zur Beantwortung des Geschehens:
    Immunitätslage, den Körper schwächende Zusatzerkrankungen oder Belastungen und daraus resultierende pathologische Reaktionsmuster (Erschöpfung der individuellen Ressourcen durch permanenten Dystress)

Der ganzheitsmedizinische Denkansatz ist ein Versuch, das aktuelle Krankheitsgeschehen mit der individuellen Vorgeschichte in Verbindung zu setzen. Es muss dabei immer mit allen erhebbaren individuellen Indizien gearbeitet und nicht von fixen Korrelationen ausgegangen werden.

Eine organische Erkrankung stellt so gesehen in der Regel das materielle Korrelat einer Funktionsstörung dar. Es ist mit herkömmlichen apparativen Methoden messbar. Der Funktionsstörung wiederum liegt zumeist eine vorausgehende Störung der Regulation und Information zugrunde.

Die Regulation

Der menschliche Organismus ist ein offenes biologisches System. Sein prinzipielles Ziel ist das Erreichen und Stabilisieren der Homöostase (stabilisierter Zustand, der eine permanent optimale Existenzfähigkeit im gegebenen Umfeld garantiert). Dazu stehen folgende Instrumente zur Verfügung:

  • Sensoren (Sinnesorgane, Rezeptoren…) zur Information über äussere und innere Zustandsänderungen.
  • Regulatoren (Grundsystem, Nervensystem...) zur Verarbeitung und Befehlsausgabe.
  • Effektoren (Organe, Muskulatur…) zur Befehlsausführung. Zur Vermeidung von
    überschiessenden Effekten verfügen all diese Zentren über ein adäquates System zur Dämpfung der eigenen Aktivität.

Ist der Mensch gesund, reagiert sein Körper automatisch richtig. Voraussetzung für diese ständig fließenden Abstimmungsvorgänge ist eine störungsfreie Vernetzung aller Organe, Muskeln, Nerven, des Bindegewebes und der Haut. Ist die Vernetzung gestört und der Körper nicht mehr in der Lage, die verschiedenen regulatorischen Vorgänge aufeinander abzustimmen, treten Symptome wie zum Beispiel Schmerzen oder Funktionsstörungen auf, die mitunter weit von der Störquelle gelegen sein können.


Das vegetative Nervensystem

Das vegetative Nervensystem, unterliegt nicht unserer willentlichen Steuerung, hat aber wesentlichen Anteil an allen regulatorischen Abstimmungsvorgängen. Es verfügt im gesunden Zustand über eine Selbstregulation in Kontakt mit übergeordneten Steuerzentralen. Das Vegetativum regelt nicht nur autonom alle Vitalfunktionen des Körpers sondern hat auch Anteil an allen anderen Vorgängen im Körper. Es ist darüber hinaus eng verknüpft mit seelischen Vorgängen.

Dem vegetativen Nervensystem kommt somit universelle Bedeutung in der Integration und Steuerung des gesamten Organismus zu. Es steht in engem Zusammenhang mit der Grundsubstanz (Grundsystem) und steuert vermutlich den schnellen Informationsaustausch in diesem System.


Das Grundsystem

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte erbrachten Hinweise darauf, dass ein biologisches System als offen zu betrachten ist und in einem Fliessgleichgewicht mit der Umgebung steht. Bei jeder Zustandsänderung findet die Informationsausbreitung über den ganzen Organismus innerhalb von Millisekunden statt.

Pischinger charakterisierte das Grundsystem in seinem Werk als den Resonanzboden, auf dem die Gesamtheit des In- und Outputs zusammenläuft und in Wechselwirkung tritt. Dieses System der Grundregulation ist definiert durch die Funktionseinheit aus Gefässendstrombahn, Bindegewebszellen und vegetativ-nervaler Endformation. Die extrazelluläre Flüssigkeit, die den gesamten Organismus durchzieht, stellt das gemeinsame Wirk- und Informationsfeld dieser Strukturen dar. Natürlich finden Metabolismus, Synthese etc. innerhalb der Zellen statt. Da aber keine Zelle unmittelbar an ein Gefäss oder an einen Nerv angeschlossen ist, wird alles, was sie von aussen erhält und wieder abgibt, durch die extrazelluläre Matrix vermittelt und moduliert.

Das Grundsystem zeichnet für Nährstoffzufuhr und Erhaltung des Lebensmilieus jeder Organzelle sowie für die Abwehrlage im Allgemeinen verantwortlich. Weicht es über einen längeren Zeitraum von seiner normalen Funktion ab oder wird die Regulation wesentlich beeinträchtigt, ist eine organische Erkrankung die Folge, die mit einer an Zellveränderungen orientierenden Diagnostik erfasst werden kann. Weiters ist es dafür verantwortlich, dass nicht nur ein Teil des Körpers wie vom Rest abgeschnitten einer Störung unterliegt, sondern dank der ubiquitären Existenz des "Füllmaterials" der ganze Organismus darüber informiert und in Mitleidenschaft gezogen wird. Gleiches trifft natürlich auch bei Verletzungen zu.

Die speziellen Eigenschaften des Grundsystems führen schon lange vor dem Auftreten spezifischer Krankheitszeichen zu einem veränderten Aussehen des Patienten (er sieht „schlecht“ aus). Den Neuraltherapeuten weisen Veränderungen (z.B. Verquellungen) an bestimmten Hautabschnitten auf bestehende, teilweise schon lang zurückliegende funktionelle oder substanzielle Beeinträchtigungen eines Organs hin.Die Rehabilitation des Grundsystems ist laut Pischinger der Schlüssel zur Heilung. Neben der Eliminierung störender Einflüsse ist die direkte regulatorische Einflussnahme durch regulationsmedizinische Methoden wie Neuraltherapie der geeignete Weg dazu.


Die neuronale Plastizität

Bis vor kurzem glaubte man, dass die Bahnung der Nerven im Gehirn und Rückenmark mit dem zweiten Lebensjahrzehnt abgeschlossen ist. Wie die moderne Schmerzforschung jetzt zeigt, sind jedoch auch in diesem Bereich zeitlebens Veränderungsprozesse möglich. Bei anhaltender Schmerzeinwirkung kommt es einerseits zur Fehlbahnung der Informationen im Rückenmark und andererseits zu einer Veränderung der kortikalen Repräsentanz.

Die anhaltende oder wiederholte Reizung von C-Fasern führt zum Wind-Up der Wide-Dynamic-Range (WDR)-Neurone im Rückenmark. Dies bewirkt, dass in der Folge nur mehr wenige oder geringe Reize aus der Peripherie ausreichen, um den Schmerzzustand aufrechtzuerhalten oder neuerlich zu triggern.

Schließlich kann sich dieser Prozess verselbständigen und unabhängig von der Entstehungsursache ein Schmerzgeschehen oder eine andere Symptomatik generieren. Wegen der Vernetzung der Information über alle Ereignisse mit entsprechendem Feedback steht dieser Prozess mit den ursprünglichen Verursachern in Resonanz.


Das Störfeldgeschehen

Aus biokybernetisch-regulatorischer Sicht stellt das Störfeld eine Reizquelle mit Abgabe von Dauerreizen wechselnder Intensität dar. Wie oben beschrieben, genügen oft kleine Reize im Sinne einer Malresonanz, um zu einer Belastung von neuralen, hormonellen, humoralen und zellulären Regelkreisen mit nachfolgender Belastung des Gesamtorganismus einschließlich des Immunsystems im Sinne einer Labilisierung zu führen.


Es gibt kaum eine Stelle im Organismus, die nicht ein Störfeld beherbergen kann. Bevorzugt fungieren jedoch Narben (vor allem nach per-secundam-Heilung sowie Drainstellen), intrakorporales Fremdmaterial wie Fadengranulome, chronische Entzündungen
(z. B. Cholecystitis, Divertikulitis), Zähne und Funktionsstörungen der Wirbelsäule als Auslöser.

Die Symptomatik manifestiert sich meist am Ort des geringsten Widerstandes, ist vom Störfeld oft weit weg und wird daher vordergründig nicht mit diesem in Zusammenhang gebracht.
Die vorgebrachten Beschwerden sind mannigfaltig. Beispiele hierfür sind chronische Müdigkeit, Migräne, Gelenksschmerzen, Rückenschmerzen oder Wetterfühligkeit. Viele Patienten werden nach häufigem erfolglosem Arztwechsel nicht selten als typische Psychosomatiker eingestuft, die statt eines Arztes einen Therapeuten aufsuchen sollten. Manche resignieren und lernen daraufhin, durch Zuhilfenahme von Medikamenten mit chronischen Beschwerden zu leben.

Wichtig für den Therapeuten ist es, nicht am Symptom hängenzubleiben. Bei jedem degenerativen Geschehen, jeder chronischen oder atypischen Verlaufsform einer Erkrankung, bei unerklärbarem Therapieversagen oder inadäquat überschiessender Reizantwort ist an ein Störfeld zu denken. Im Rahmen der Herd- oder Störfeldtherapie kommt es dabei oft zu einem durchschlagenden Therapieerfolg.

 

Methodik

Die temporäre Inaktivierung verursachender oder am Geschehen massgeblich beteiligter Faktoren durch gezielte Injektionen kleiner Mengen eines Lokalanaesthetikums schafft die Voraussetzung zur Normalisierung oder Verbesserung entgleister Regelvorgänge. Zur Behandlung werden in erster Linie Lokalanaesthetika unter Anwendung verschiedener Techniken eingesetzt.

Spontane Symptomauslöschung (Sekundenphänomen nach Huneke) bzw. anhaltende Besserung von Funktionsstörungen und Schmerzen sind in diesem Zusammenhang als Ergebnis der wiederhergestellten oder verbesserten körpereigenen Regulation zu betrachten. Neuraltherapie kann sowohl in der Akutmedizin, als auch in der Behandlung chronischer Schmerzzustände zur Unterstützung der medikamentösen Therapie eingesetzt werden.

Bei der Behandlung funktioneller Beschwerden und Leidenszustände chronisch Kranker ist sie zum Teil der medikamentösen Therapie überlegen, und vor allem mit jeder anderen therapeutischen Massnahme kombinierbar.

Dabei ergeben sich neben der Verbesserung eigenregulatorischer Vorgänge eine Senkung des Medikamentenverbrauches und der damit verbundenen Nebenwirkungen. In der Praxis ist die Kombination verschiedener Injektionstechniken die Regel. Dabei wird jeder Neuraltherapeut sein Konzept seinem jeweiligen Ausbildungsstand anpassen. Der Effekt der Therapie wird weniger von der Art der Technik abhängen, als von einer exakten Untersuchung und der daraus gewonnenen Erkenntnis über das pathogenetische Geschehen. Auch einfache Techniken führen meist zum Ziel.

Grundlegende Voraussetzung vor jeder Neuraltherapeutischen Anwendung ist die lege artis durchgeführte Abklärung mit allen zu Gebote stehenden Hilfsmitteln.

Anamnese - Inspektion - Palpation - Funktionsprüfung

Besondere Beachtung in der Neuraltherapie findet die Krankengeschichte. Alle, auch scheinbar unbedeutende Ereignisse in der Vorgeschichte, wie geringfügige oder lange zurückliegende Verletzungen, Narben nach Entzündungen oder Operationen, sind in der Anamneseerhebung wichtig. Nicht nur der Zeitpunkt, sondern auch die Art des Schmerzerlebnisses, ist von Bedeutung (emotionaler Stellenwert).

Die genaue Betrachtung des Patienten zur Erfassung und Analytik funktioneller Störungen ist ein wesentlicher Teil der Voruntersuchung. Die Beweglichkeitsprüfung gibt dem Untersucher Aufschluss über bestehende Funktionseinschränkungen. Nicht das Ausmass der Bewegungseinschränkung allein ist dabei ausschlaggebend, sondern die funktionsanalytische Erfassung des Krankheitsgeschehens. Neben der Funktionsprüfung am Bewegungsapparat ist das Abtasten des Patienten mittels verschiedener Palpationstechniken (Strichpalpation, Kibler´sche Hautfalte, Schichtpalpation) die wichtigste Methode zur Erfassung von Regulationsstörungen und reflektorischen Krankheitszeichen innerer Organe.

Die Veränderungen des Turgors an der Hautoberfläche und des Unterhautbindegewebes, sowie der Spannungszustand der Muskulatur werden bei diesen Untersuchungstechniken auch vom Patienten wahrgenommen, was bei guter Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient die Diagnosefindung erleichtert.Der erfahrene Therapeut wird sich bei der Behandlung nicht nach fixen indikationsbezogenen Punkten, sondern jeweils nach dem aktuellen Tastbefund richten. Es gibt zwar bewährte Konzepte, aber kein gleich bleibendes Therapieschema. Wohin die Injektion erfolgt, ergibt sich also nicht allein aus der Lokalisation der Beschwerden, sondern aus dem gesamten Untersuchungsbefund.


Anwendungsformen der Neuraltherapie

 

  1. Die Lokaltherapie (Locus dolendi - Therapie - Therapeutische Lokalanästhesie)
    erfolgt am Ort des aktuellen Geschehens. Indikationen für die lokale Anwendung ergeben sich bei Funktionsstörungen und Schmerzzuständen nach operativen Eingriffen und Traumen und dem Vorliegen von Pathomorphologien (chronische Degeneration) im entsprechenden Bereich. Es ist dabei zu beachten, dass auch bei lokalen Geschehnissen oft übergeordnete Faktoren mitbeteiligt sind, die in die Behandlung miteinbezogen werden sollen, da sie sonst als neuerlicher Starter des aktuellen Geschehens fungieren könnten.D
  2. Die Segmentale Therapie
    macht sich die Tatsache zunutze, dass alle einem Körpersegment zugehörigen Strukturen, (Haut, Bindegewebe, Muskulatur, Organe etc.) miteinander vernetzt und aufeinander abgestimmt sind.
    Das hat zur Folge, dass jede Erkrankung (z.B. eines Organs) und jede Regulationsstörung innerhalb eines Segmentes seine Repräsentanz an der Haut und Muskulatur (Dermatom, Myotom) im Sinne einer Veränderung des Turgors bzw. Tonus findet. Über diese Strukturen ist in der Folge auch ein therapeutischer Zugang möglich.
    Voraussetzung für den therapeutischen Ansatz ist die exakte Palpation und Auffindung palpatorisch erfassbarer Punkte und Areale. Die Miterfassung vegetativer Anteile über die Segmentregulatorik und das Wiederherstellen der vegetativen Balance ist dabei ein entscheidender Faktor für den Therapieerfolg.
  3. Techniken an Substraten des Bewegungsapparates werden entsprechend dem Ergebnis der Funktionsprüfung sowie der Palpation angewendet. Dazu gehört das gezielte Setzen von Ouaddeln, diverse Techniken zur Behandlung des Band- und Kapselapparates der Gelenke, Setzen von praeperiostalen Depots, Infiltrationen von Band- und Sehnenansätzen, tiefe Bandtechniken sowie Triggerinfiltrationen.
  4. Die Störfeldtherapie
    bzw. die Probebehandlung störfeldverdächtiger Veränderungen hat differentialdiagnostisch und therapeutisch einen besonderen Stellenwert. Durch die temporäre Inaktivierung eines massgeblich am aktuellen Geschehen beteiligten Faktors durch Infiltration oder Umflutung kann der Körper in Eigenarbeit sein gestörtes regulatorisches Gleichgewicht wiederherstellen oder zumindest vorübergehend auf ein höheres Niveau bringen.
  5. Die Intra- und paravasale Therapie
    erfolgt in erster Linie zur Ergänzung der Sement- und Störfeldtherapie, vor allem bei Beschwerdebildern, bei denen vegetative Komponenten im Vordergrund stehen. Es werden dabei 1-2 ml Lokalanästhetikum (Lidocain) intravenös verabreicht, wobei auch eine kleine Menge paravasal (vegetatives Nervengeflecht!) injiziert wird.
  6. Die Injektion an Nervenstämme u./o. Nervenganglien
    erfolgt zur Hemmung der neuralen Afferenzen, Ganglientechniken werden bei speziellen Indikationen eingesetzt.

Indikationen

  • 1. Kausal: Störungen oder Erkrankungen, die durch Neuraltherapie allein, oder in Kombination mit adjuvanten Therapien (Physio-, Psychotherapie, chirurgische und diätetische Maßnahmen) in kurativer Weise behandelt werden können.
  • 2. Behandelt Störungen vorwiegend auf funktioneller Ebene ohne relevante organmorphologische Veränderungen. Symptomatisch: Neuraltherapie als adjuvante Therapie oder Erhaltungstherapie bei bestehenden morphologischen Organveränderungen zur Steigerung der Lebensqualität, Funktionsverbesserung und Medikamentenreduktion.

Kopf:
Migräniformer Kopfschmerz, Spannungskopfschmerz (1)
Neuralgiforme Kopfschmerzen ( Trigeminus-, Occipitalisneuralgie (1,2)

Augenerkrankungen:
Begleitconjunktivitis, -iritis (2), Vasomotorische Störungen (1), Störungen der Lidmotorik (1) Glaucom (1)

Erkrankungen der Nase:
Rhinoconjunctivitis vasomotorica (1,2), gestörte Nasenatmung (1,2,)
Erkrankungen der Nasennebenhöhlen und der Tuben (1,2).

Erkrankungen des Ohres:
Otitis, secundärer Tinnitus, Gehörgangserkrankungen(1,2)

Erkrankungen der Mundhöhle:
Chron. Tonsillitis, Sialadenitis (1), funktionelle Störungen der Phonation
(Heiserkeit, Hyoidtendopathie) und des Schluckaktes (1)

Erkrankungen im Zahn-Kieferbereich:
Devitale Zähne und deren Folgen (1,2), Veränderungen am Leerkiefer (1,2),
Veränderungen am Zahnhalteapparat (1,2), Kiefergelenkspathologien (1,2)

Hals:
Vegetativ dysregulatorische Störungen mit Beteiligung der Schilddrüse (1,2)

Thorax:
Regulatorische Störungen des Herzens (1,2),
Regulatorische Störungen der Lunge und der Atemmechanik incl. Zwerchfelldysfunktion (1,2)

Abdomen:
Funktionelle Störungen der Oberbauchorgane
(Gastritis, Störung im Leber-Gallenbereich, exokrine Pankreatopathie) (1,2)
Erkrankungen des Darmes auf dysregulatorischer oder chronisch entzündlicher Basis
(Colon irritabile, chronische Appendizitis, Morbus Crohn) (1,2)

Urogenitalerkrankungen:
Kolik der Niere oder der ableitenden Harnwege (1,2)
Funktionelle Blasenmotilitätsstörungen (1),
chronisch entzündliche Erkrankungen der ableitenden Harnorgane (1,2)
Dysfunktionelle und chronisch entzündliche Erkrankungen
der männlichen und weiblichen Genitalorgane (1,2)

Erkrankungen des Bewegungsapparates:
Funktionell bedingte Gelenksstörungen (1),
Myofunktionelle Störungen im Sinne tonisch-algetisch-pseudoradikulärer Syndrome
als Folge traumatischer Einwirkung oder im Rahmen des Herd-Störfeldgeschehens (1)
Morphologisch bedingte Störungen der Gelenke als Folge traumatischer, arthrotischer oder entzündlicher Erkrankungen (2) Phantomschmerz (2) Sudeck-Syndrom (2)

a) Funktionelle Störungen (Cervicobrachialsyndrom, Lumbalgie, Sacralgie etc. (1)
b) Morphologische Störungen der Wirbelsäulengeometrie, Discopathie, Vertebrostenose, Erkrankungen der Intervertebral- und Costovertebralgelenke (2)

Vegetative Dysfunktion:
Störung der Thermoregulation, der Schweisssekretion,
der Vasomotorik = Durchblutungsstörung (1)
Schlafstörungen (1)
Unterstützung bei klimakterischen Beschwerden (2)
Psychisch dysregulatorische Zustände (2)

Allergische Erkrankungen:
(Rhinoconjunctivitis, allergisches Asthma bronchiale (1, 2)

Wundheilungsstörungen:
(Sekundärheilung von Op-Narben, Keloide, Narbenstrikturen nach Verbrennung, Impfnarben)


Kontraindikationen der Neuraltherapie

  • Überempfindlichkeit gegenüber Procain und Lidocain (sehr selten)
  • Herzrhythmus- und Überleitungsstörungen (AV Block II° und III°)
  • Herzinsuffizienz ab NYHA III
  • Myasthenia gravis

 

Nichtindikationen für Neuraltherapie

  • Genetisch bedingte Erkrankungen
  • Psychiatrische Erkrankungen
  • Systemerkrankungen
  • Irreversible Schäden

Geschichte der Neuraltherapie

Schon Head und Mackenzie haben auf den Zusammenhang zwischen Organschmerzen und schmerzhaften Zonen an der entsprechenden Körperoberfläche, sowie Muskeln und Knochen hingewiesen (Dermatom, Myotom, Sklerotom).

Die Neuraltherapie ist untrennbar mit den Namen der Brüder Ferdinand und Walter Huneke verbunden. Der Zufall stand Pate: Huneke hatte 1925 seiner migränekranken Schwester irrtümlich ein procainhaltiges Rheumamittel intravenös (!) statt intramuskulär gespritzt und konnte so ihren Migräneanfall kupieren. Durch weitere Nachbehandlungen heilte er sie mit Dauerwirkung.

Der nächste Meilenstein war 1940 die Entdeckung des Störfeldes. Huneke erkannte damals, dass die Schulterschmerzen einer Patientin von einer Osteomyelitisnarbe am Unterschenkel, dem "Herd", herrührten, nachdem aufgrund einer Behandlung der Narbe mit Lokalansthetika die Beschwerden schlagartig verschwanden (Entdeckung des "Sekundenphänomens").

Dass Lokalanaesthetika neben ihrer anästhetischen Wirkung auch positiven Einfluss auf die Wundheilung haben, wurden schon vor mehr als hundert Jahren beschrieben. Diese Arbeiten gerieten jedoch in Vergessenheit. Erst durch die Brüder Huneke wurde diese Methode weiterentwickelt und breit angewendet.

Peter Dosch hat in seinen Arbeiten verstärkt auf die Aktivierung von Selbstheilungs- mechanismen durch die Wirkung über das neurovegetative System hingewiesen.

Den Schritt von der Statik zur Dynamik hat Bergsmann mit der Veranschaulichung der Regulationsprinzipien getan. Durch die Vernetzung der verschiedenen Informationsebenen werden von jedem Geschehen gleichzeitig alle Ebenen und Strukturen des gesamten Systems
in unterschiedlicher Weise angesprochen. Außerdem hat Bergsmann durch die präzise Darstellung der reflektorischen Krankheitszeichen neue Wege des therapeutischen Zugangs ermöglicht.

Nicht zuletzt war es Pischinger, der das alle Zellen umgebende Flüssigkeitsmilieu (Grundsystem) als wesentlichen Informationsträger erkannt hat. Die Vereinigung dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse hat zu einem ganzheitlichen Diagnose- und Therapieansatz geführt.

 

Veranstaltungen

19 Jan 2018
    Referententreffen in Radstatt

07 Jun 2018
    IV. Weltkongress - Neuraltherapie und IFMANT

09 Jun 2018
    NT-Techniken an der Leiche

07 Sep 2018
    ICMART-iSAMS 2018

31 Okt 2018
    52. Medizinische Woche in Baden Baden

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